
Sicherungsmaßnahme Burgruine Balduinseck
1. Sicherung
Im Spätsommer 2008 wurde mit der Sicherung der Ruine Balduinseck begonnen. Das Gerüst, das bereits für die Voruntersuchungen errichtet worden war, konnte für die Bauarbeiten genutzt werden. Im Bereich der Mauerkrone und der Ecktourellen wurde das Gerüst etwas erweitert, damit wandübergreifend gearbeitet werden kann.
Die Mauerkrone der Ostwand sowie der südöstlichen Ecktourelle konnten komplett gesichert werden. Zusätzlich wurde aus statischen Gründen der fehlende innere Mauerpfeiler links vom Küchenkamin wieder aufgebaut und der große Mauerausbruch im Fundamentbereich der Südseite ausgemauert.
Diese Fehlstelle hatte zuvor große Sorgen bereitet. Man befürchtete den baldigen Zusammenbruch der Süd-Ost-Ecke. Diese Gefahr ist nun gebannt. Der gestörte Fundamentbereich wurde mit annähernd 8 Kubikmetern Schiefermauerwerk ausgemauert. Das Mauerwerk ruht nun wieder sicher auf dem Fels.
Für 2009 ist zunächst die Fertigstellung der Arbeiten an der Ostwand geplant. Dort sind noch Verfugarbeiten notwendig. Außerdem erhält die Wand einen durchgehenden Zuganker aus Stahl. Parallel dazu werden die Arbeiten auf die Südwand verlagert, welche momentan eingerüstet wird.
Die gesamte Maßnahme ist in 5 Bauabschnitte gegliedert. Der letzte Bauabschnitt befasst sich mit der Substanzsicherung des Vorhofes und seiner Umfassungsmauern.
2. Befundlage
Die Sicherungsarbeiten werden kontinuierlich von Bauhistoriker Achim Wendt aus Heidelberg begleitet. Achim Wendt wurde im letzten Jahr vor Ort durch Dr. Hubert Leifeld unterstützt.
Die bauhistorischen Untersuchungen sind Grundlage für alle Sicherungsmaßnahmen. Ein erster Werkstattbericht zeigt, welche Ergebnisse bisher zu verzeichnen sind. Wendt schreibt, dass die bereits im Vorfeld veranschlagte Befunddichte in vielen Details noch erheblich übertroffen wurde.
Die größte Überraschung bot sich nach Auswertung der dendrochronologisch untersuchten Gerüstholzproben. Demnach wurden die Hölzer im 2. Obergeschoss im Winter 1326/27 gefällt, wohingegen die Hölzer aus den darüberliegenden Geschossen im Winter 1330/31 gefällt wurden.
Somit ist nun klar, dass es einen relativ schnellen Baufortschritt ab 1325 bis zum Herbst 1327 gab. Danach muß es einen Baustopp von drei bis vier Jahren gegeben haben. Die Burg muß damals als „Bauruine“ der Vollendung geharrt haben. Veränderte Material- und Putzstrukturen weisen zusätzlich auf zwei Bauphasen hin.
Der Bauhistoriker versucht den Baustopp und die Wiederaufnahme der Bautätigkeit zu erklären. Es ist auffallend, dass die Fertigstellung der Burg zeitlich zusammenfällt mit dem Beginn der sog. „Eltzer Fehde“. Plötzlich war die Burg wieder von strategischer Bedeutung.
Weiter Neuigkeiten zeichnen sich ab. Zurzeit wird die Turmstube in der Süd-Ost-Tourelle von Schutt befreit und archäologisch untersucht. Der Bauforscher erhofft sich Aufschluss über die Bedeutung der Turmstube, die nach ersten Erkenntnissen überdurchschnittlich hohe Ausstattungsmerkmale zeigt.
Buch im Mai 2009
Birger Boos |