
Sicherungsmaßnahme Burgruine Balduinseck
1. Sicherung
Die Arbeiten schreiten voran. Die Fa. Ochsenfarth aus Paderborn ist mit 6 Fachkräften im Einsatz und hat die Mauerkrone der Nordwand bereits zum größten Teil gesichert. Loses Mauerwerk wurde abgerafft und nach den Anweisungen des Bauforschers wieder aufgemauert.
Innerhalb der Nordwand gab es mehrere kritische Bauteile, die akut einsturzgefährdet waren. Dabei handelte es sich vor allem um die oberen Sturzkonstruktionen der Fenster. Ebenso machte ein schwerer überkragender Schieferstein Sorgen. Der Pfad entlang der Ruine war vom Sicherheitskoordinator aus diesem Grund gesperrt worden. Diese Gefahren sind jetzt gebannt.
Auf der Innenseite der Nordwand werden nun noch eine Reihe sensibler Stellen in Angriff genommen. So müssen die Kaminwände stabilisiert und das Mauerwerk der großen Fenster-Rundbögen mit Schiefersteinen ausgezwickelt und verfugt werden.
Parallel zu den Mauerarbeiten wurde mit der Vorverfugung der Ostwand begonnen, damit in diesem Jahr noch Verpressarbeiten durch die Fa. Pressbau durchgeführt werden können. Dabei wird streng darauf geachtet, dass die vielen Fledermaus-Quartiere innerhalb der Mauern erhalten bleiben.
In den letzten Wochen wurden Ost- und Nordwand Innen und Außen mit mehreren tausend Bohrungen versehen, welche nun mit Kunststoffschläuchen bestückt sind. An diesen Stellen wird die Fa. Pressbau unter Druck eine so genannte Verpress-Suspension einbringen, die sich innerhalb der Struktur ausbreiten und das Mauerwerk von Innen verfestigen wird. In beiden Wänden werden voraussichtlich über 2000 Liter Suspension verarbeitet.
Unterdessen hat Restaurator Lawen mit seinen Mitarbeiterinnen große Teile der historischen Putzflächen gesichert und so vor dem weiteren Zerfall bewahrt. Größere Flächen lagen hohl vor der Wand und drohten herunterzufallen. Diese Stellen wurden hinterfüllt und gerettet.
Zusammen mit dem Denkmalpflegeamt wird nun geklärt, wie die wenigen aber wertvollen Fragmente der Binnenmalerei gesichert werden. In diesem Zusammenhang wäre es wünschenswert, wenn der von Vandalen in den 90er Jahren aufgeschmierte braune Dreck entfernt würde. Durch diese Schmiere sind bereits sensible Malereien unwiederbringlich verloren gegangen.
2. Befundlage
Achim Wendt, unser Bauforscher aus Heidelberg, hat seine Bauaufnahme von Ost- und Nordwand mittlerweile beendet und gibt nun an der ein- oder anderen Stelle Anweisungen für die Mauerarbeiten.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte der Fund eines eingemauerten hölzernen Ringankers, welcher unter der Deckenbalkenlage auf gesamter Wandlänge eingebaut ist. Der Ringanker diente wohl als waagerechtes Auflager für die Deckenbalken. Stellenweise ist das fast 700 Jahre alte Holz noch vollständig erhalten.
Ein weiteres, überaus interessantes Detail, wurde über den Fenstern entdeckt. Dort haben sich einige wenige, paarweise eingemauerte, gebogene Flacheisen erhalten, die als Achslagerung für Klappläden dienten.
Achim Wendt beurteilt dieses Detail nach gegenwärtigem Forschungsstand als im deutschen Sprachraum selten vorkommend und für die Zeitstellung ungewöhnlich.
Buch, im August 2009
Birger Boos |